© Fotonachweise (v. l.): Bild 1 und 2: Nils Mosh, Bild 3, 4 und 5: Willi Reiche
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# LOOPING LOOM # KINETIC KIOSK # HANGER # MARTA # KAT KAT # ÜBER HÖHEN UND TIEFEN # KIEFERMÄULER AUF DER JAGD NACH MOTTENKOPSEN # TOD EINER NÄHERIN # TOD EINES MORPHINISTEN
Bewegung und Stillstand, Aufbruch und Veränderung – die Ausstellung „Von Höhen
und Tiefen“ von Willi Reiche (kinetische Kunst) und Nils Mosh (Klangkunst) entfaltet ein vielschichtiges Zeitbild. Dabei greift sie die Textilgeschichte Krefelds auf, die über Jahrhunderte von der Samt- und Seidenproduktion geprägt war.
Kunstmaschinen, interaktive Installationen und stille Objektkästen treten in einen
spannenden Dialog. Sie verweisen auf die textile Geschichte der Stadt und machen
deren Höhen und Tiefen erfahrbar.
Im Zentrum steht dabei stets der Mensch: als Erfinder, Arbeiter und Suchender, dessen Spuren sich in ausrangierten Maschinenelementen eingeschrieben haben. Die Werke
bewegen sich zwischen technischer Präzision und poetischer Offenheit. Rotierende Schalen und kreisende Räder legen verborgene Rhythmen frei – Wiederholungen, die
Natur, Industrie und Gesellschaft verbinden. Diesen Bewegungsabläufen stehen Momente der Stille gegenüber. Sie unterbrechen das Spannungsfeld, machen Erinnerung, Verlust und die unsichtbare Dimension menschlicher Arbeit sichtbar. In ihrer Zurückhaltung
entsteht Raum für das, was in der Wahrnehmung sonst oftmals untergeht.
Immer wieder blitzt auch ein spielerischer Ton auf: ein Augenzwinkern, das die Zweckmäßigkeit der Mechanik unterläuft. Die Kunstmaschinen und interaktiven Installationen entwickeln eine eigene, intime Ordnung, die sich immer wieder kurz der Logik entzieht. So entsteht eine leise Ironie, die den Blick öffnet – auf die Fragilität hinter der Präzision und den Humor im Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
„Von Höhen und Tiefen“ wird so zum Sinnbild menschlicher Existenz. Aus Materialien und technischen Fragmenten, aus Bewegung, Stille und Wahrnehmung entsteht ein offener Zustand. Dinge sind hier nicht festgelegt, sondern stehen in Beziehung zueinander und ordnen sich immer wieder neu.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Ilka Wonschik, Museumsleiterin im Haus der Seidenkultur. Sie findet in Kooperation mit dem historischen Klärwerk in Uerdingen statt. Auch hier erkunden die Künstler Nils Mosh und Willi Reiche das Zusammenspiel von Mensch und Maschine – an einem Ort, an dem sichtbar wird, dass die Industrialisierung nicht nur Produktion hervorbrachte, sondern auch ihre Schattenseiten: Abfälle, Abwasser und die Notwendigkeit, sich um die eigenen Hinterlassenschaften zu kümmern.
Die kinetischen Werke treten dort – der Architektur des Bauwerks entsprechend –
mit größerer Fülle und Quantität in Erscheinung und verstärken so die Wirkung von
Dimension, Schwere und der Präsenz einer Technik, in der die Spuren menschlicher
Arbeit eingeschrieben sind.
Looping Loom – Nils Mosh (2026)
Ein Webstuhl, der Industriegeschichte hörbar macht.
„Looping Loom“ ist eine interaktive Klanginstallation. Durch Ziehen an 25 Schnüren können verschiedene Geräusche gleichzeitig ausgelöst werden. Jeder Klang bleibt nur so lange hörbar, wie die Schnur gehalten wird. So entsteht ein spielerisches Arbeiten mit Klang und Bewegung.
Die Geräusche zeigen den Weg der Seide: von der Seidenraupe über verschiedene Web- und Maschinenprozesse bis hin zum Klärwerk. Alte und moderne Industrieanlagen werden hörbar miteinander verbunden. Am Ende stehen die Geräusche aus der Abwasserreinigung, in der Rückstände der Seidenverarbeitung zusammenfließen.
Das Werk macht den Produktionsprozess von Seide als Klang erlebbar und verbindet Natur, Technik und Industriegeschichte.
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Kinetic kiosk – Willi Reiche (2018)
Sieben Schalen auf einem fahrbaren Gestell drehen sich stetig um die eigene Achse. In diesen Schalen liegen Süßigkeiten, nach Farbgebung sortiert. Die Farben stehen für das Kirchenjahr und sind religiösen Bedeutungen zugeordnet. Durch die Bewegung entsteht ein Kreislauf aus Farbe, Zeit und Spiel, der eine verbindende Brücke schlägt zwischen Religion, Alltag und Konsum.
• Violett ist die Farbe der Buße und der Trauer.
• Gold verkörpert die göttliche Herrlichkeit und transzendente Erhabenheit.
• Schwarz erinnert an die Finsternis, die Trauer, das Leid und den Tod.
• Rosa steht für Vorfreude und Hoffnung. Die Farbe wird nur an zwei Sonntagen im Jahr getragen.
• Grün bezieht sich auf die Eucharistie, ein christliches Ritual, bei dem an das letzte Abendmahl von Jesus Christus erinnert wird und Brot und Wein geteilt werden.
• Rot ist die Farbe des Blutes, Krieges, Feuers und der Liebe.
• Weiß, die älteste Farbe in der sakralen Gewandung, gilt als Zeichen der Reinheit, Lauterkeit und des Bekennertums. Es ist das Symbol der Freude.
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„Hanger“ im „Haus der inneren Werte“ – Willi Reiche (2023)
Die Installation besteht aus 28 Kleiderbügeln, die sich in Form, Farbe und Material unterscheiden und sich leicht auf und ab bewegen. Sie berühren sich gelegentlich und sind ohne Hierarchie angeordnet. Das kinetische Werk steht für Vielfalt und Gleichwertigkeit von Menschen. Gleichzeitig verweisen die unterschiedlichen Gestaltungsformen der Bügel auf Kleidung, Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen. Durch Bewegung und Material entsteht ein Bild von Offenheit und Zusammenhalt mit Bezug zur textilen Geschichte Krefelds.
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Marta – Willi Reiche (2024)
Eine Figur aus transformierten Bestandteilen.
„Marta“ besteht aus drei wesentlichen Elementen: dem Sockel eines Messgeräts, dem Korpus einer Bügelmaschine aus der gewerblichen Textilpflege und obenauf als Akzent einem historischen Lautsprecher. Zusammen bilden sie eine aufrecht stehende Figur.
Die Form erinnert an die 1920er-Jahre, als die Textilindustrie in Krefeld von großer Bedeutung war. Der Lautsprecher wirkt wie ein Accessoire dieser Zeit, die Bügelmaschine verweist auf die Textilproduktion.
Durch ihr Erscheinungsbild wirkt „Marta“ wie eine würdevolle Persönlichkeit.
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Kat Kat – Willi Reiche (2018)
„Kat Kat“ arbeitet mit der Zahl Vier: vier gusseiserne Transmissionsräder mit jeweils vier Speichen und die geschmiedete Achse eines Leiterwagens bilden eine kinetische Skulptur, die sich bewegt. Der Titel wurde von „quaternär“ (je vier) bzw. dem französischen „Quatre-Quatre“ (4x4) abgeleitet, lautmalerisch „Kat Kat“. Durch die Wiederholung entsteht eine klare, einfache Struktur mit geometrischen Gestaltungsmerkmalen. Die Bewegung zeigt Ordnung und gleichzeitig Veränderung. Das Werk erinnert mit seinen historischen Bestandteilen an Maschinen aus der Frühzeit der Industrialisierung.
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Frau Dr. Leiska (links, Kulturbeauftragte der Stadt Krefeld) und Frau Scho-Antwerpes (2. stellvertr. Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland) meistern den Parcours „Über Höhen und Tiefen“ zügig und mit ruhiger Hand
Über Höhen und Tiefen – Willi Reiche (1993)
Ein spielerischer Umgang mit Geduld, Präzision und Herausforderung. Die Installation ist ein Spiel, bei dem eine Ringöse vorsichtig entlang eines gebogenen Kupferdrahtes geführt werden muss. Der Weg ist unregelmäßig und verändert mehrfach die Richtung. Bei jeder Berührung warnt ein Signal – der Versuch beginnt von vorn. Das Spiel steht für die Geschichte der Krefelder Textilindustrie, die von Erfolg und Krisen geprägt ist. Es geht um Handarbeit, Konzentration und Genauigkeit. Der Titel „Über Höhen und Tiefen“ beschreibt sowohl das Spiel als auch die wechselvolle Entwicklung der Stadt Krefeld zwischen Aufschwung und Wandel.
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Kiefermäuler auf der Jagd nach Mottenkopsen – Willi Reiche (2021)
Fantasiewesen zwischen Biologie, Mechanik und Textiltechnik.
Ein Bestandteil der Installation ist eine Ansammlung von Schraubstöcken. Durch die dynamische Anordnung und atypische Ausrichtung wirken diese wie ein Rudel Tiere mit auffällig großen Mäulern. Die so inszenierten Werkzeuge werden der Kategorie Lebewesen mit ausgebildetem Kiefer (wissenschaftlich Gnathostomata) zugeordnet.
Als „Kiefermäuler“ scheinen sie es auf den hängenden Schwarm „Mottenkopse“ abgesehen zu haben. „Mottenkops“ ist eine Wortkombination aus dem in der Textilbranche gebräuchlichen Begriff „Kops“ für spezielle Garnrollen und einer einstigen Textilhandelsgesellschaft namens „Motte & Cie.“ in Frankreich.
Durch die Transformation entsteht ein fließender Übergang zwischen Wissenschaft, Technik und Erzählung. Das Werk lädt dazu ein, Grenzen zwischen Realität und Vorstellung zu hinterfragen.
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Tod einer Näherin – Willi Reiche (1984)
„Tod einer Näherin“ ist eine Installation in einer kleinen Holzkiste. Darin sind typische Handarbeitswerkzeuge wie Spindel, Garn und Häkelnadel arrangiert. Zusammen erzählen sie von einem bescheidenen Leben, das von der textilen Handarbeit geprägt ist. Im Gegensatz zu den kinetischen Werken der Ausstellung steht hier das Innehalten im Mittelpunkt. Das Objekt birgt stille Erinnerungen an Arbeit und Zeit. Die Materialcollage verdeutlicht den hohen Stellenwert des textilen Handwerks, das in der öffentlichen Wahrnehmung dennoch wenig Anerkennung erfuhr.
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Tod eines Morphinisten – Willi Reiche (1984)
Eine stille Arbeit über Abhängigkeit, Körper und Fortschritt.
„Tod eines Morphinisten“ beschäftigt sich mit der Geschichte des Morphins, das einst als medizinisches Wundermittel galt. Später zeigte sich, dass es starke Abhängigkeit erzeugt.
Die Arbeit besteht aus einer reduzierten Anordnung von Objekten. Sie wirkt ruhig und sachlich, fast wie eine medizinische Darstellung. Anders als bei den Werken mit Bewegung präsentiert diese Holzbox einen Moment des Stillstands. Sie macht sichtbar, dass Fortschritt auch Risiken und Brüche enthalten kann.
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