Von Höhen und Tiefen bietet zusätzlich zu den Ausstellungen im Haus der Seidenkultur und im historischen Klärwerk Uerdingen auch ein passendes Rahmenprogramm mit Lesung, Vorträgen und Filmabend © Fotonachweise (v. l.): Bild 1: Noah Chorny, Foto Marcel Verheggen, Bild 2: Beate Marks-Hanßen, Bild 3 und 4: Torsten Weiler, Bild 5: Beate Marks-Hanßen

 

 

Termine
HAUS DER SEIDENKULTUR

Logo vom Haus der Seidenkultur

 

 

Ausstellungszeitraum:

03. Mai 2026 bis 14. Juni 2026

 

reguläre Öffnungszeiten:

Mi. – Fr. 15:00 – 18:00 Uhr
sowie So. 13:00 – 17:00 Uhr

 

Tageskarte:

ohne Führung: 5 €, ermäßigt 4 €

(für die Ausstellung wird kein zusätzlicher Eintritt erhoben)

 

RAHMENPROGRAMM:

Mittwoch, 10. Juni 2026

Beginn: 19:00 Uhr

Filmabend im HdS, Alte Stickerei

Die Weber (D 1927, nach Gerhart Hauptmann, Regie Friedrich Zelnik)

 

 


 

Termine
KLÄRWERK

Logo vom Klärwerk Uerdingen

 

 

Ausstellungszeitraum:

15. Mai 2026 bis 28. Juni 2026

 

reguläre Öffnungszeiten:

Sa. + So., 11.00 bis 16.00 Uhr

 

RAHMENPROGRAMM:

Donnerstag, 21. Mai 2026

Beginn: 19:00 Uhr

Vortrag von Dr. Ulrike Denter

Entwicklung der Krefelder Seidenfärberei im Kontext von Wasserwirtschaft und Umweltbelastungen

 

Samstag, 6. Juni 2026

Beginn: 18:00 Uhr

Torsten Weiler und Beate Marks-Hanßen

Lesung mit modischer Intervention

 

FINISSAGE:

Sonntag, 28. Juni 2026

12:00 bis 21:00 Uhr

Noah Chorny mit seiner fantastischen Show A-Klo-batik

© Fotonachweis: Noah Chorny, Fotograf: Marcel Verheggen

 

Stangenakrobat Noah Chorny
präsentiert „A-Klo-batik“

 

Dass aus den einfachsten Sachen Wunderbares entstehen kann, kennen wir aus den Stummfilmen. Unser bescheidener Held will ein menschliches Bedürfnis stillen, findet jedoch nur eine Toilette in schwindelnder Höhe. Damit beginnt für ihn ein Abenteuer der akrobatischen Art. Mit Kraft und Köpfchen meistert er durch artistische Hochleistung jedes schier unüberwindbare Hindernis. Mit verblüffender Leichtigkeit schraubt er sich der Schwerkraft trotzend die Stange hinauf und turnt auf der hochragenden Toilette mit wundervoller Selbstverständlichkeit herum. Alles nur, um seinem Ziel, das jeder nachvollziehen kann, ein Stück näher zu kommen. Diese Show ist so geschmackvoll komisch, dass selbst eine Gruppe Nonnen bis zum Schluss zugeschaut und mitgejubelt hat!

 

Nils Mosh bei Soundaufnahmen

© Fotonachweis: Nils Mosh, Fotografin: Sofia Brandes

 

Klangkünstler Nils Mosh
bei Soundaufnahmen

 

Wie klingt eigentlich Krefeld heute? Zusammen mit dem Field Recordist Nils Mosh, der in der Ausstellung „Von Höhen und Tiefen“ akustisch die historische Industriekultur Krefelds aufleben lässt, hören wir genau hin, wie unsere Umgebung klingt. Mit Rekordern und Mikrofonen ausgestattet werden wir uns im öffentlichen Raum bewegen und die Stadt mit den Ohren erkunden. Neben dem Hörbaren werden wir auch das Unhörbare belauschen. Leise Sounds, Körperschall und Ultrafrequente-Signale können wir mit Spezial- Mikrofonen hörbar machen. Im Anschluss werden wir ausgewählte Geräusche bearbeiten und transformieren, z. B. in Musik, Sound Effekte oder als Dokumentation der Gegenwart. Bei einer gemeinsamen Präsentation können wir das Aufgenommene mit Publikum im Anschluss reflektieren. Die Einleitung bildet ein Vortrag von Nils Mosh zu seiner Soundforschungs-Arbeit im Vorfeld der Ausstellung „Von Höhen und Tiefen“.

Daten: Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 5-20 Personen
Ort: Krefeld (HdS und Klärwerk)
Dauer: ca. 2 Stunden Aufnahmen + 2 Stunden Bearbeiten, anschließend ca. 1 Stunde Präsentation
Mitzubringen: nach Möglichkeit Kopfhörer, wer hat kann Aufnahmegeräte oder Mikrofone mitbringen und einen Laptop mit Musikbearbeitungs-Software, es sind aber auch Leihgeräte vorhanden

 

Lesung mit modischer Intervention

© Torsten Weiler, Beate Marks-Hanßen

 

Lesung
mit modischer Intervention

 

Wer im 19. Jahrhundert durch Krefelds Gassen spazierte, hörte hinter jedem Fenster das unverwechselbare Rattern der Handwebstühle. Tausende von Krefelder Seidenwebern haben mit ihrem Handwerk die Stadt groß gemacht – sie war eine der reichsten und stolzesten Städte des Landes. Und doch waren für die Seidenweber bescheidener Wohlstand und Absturz in bittere Armut oft nur einen Wimpernschlag entfernt.

 

„Von Höhen und Tiefen“ ist die Geschichte vieler Familien in der Samt- und Seidenstadt. Torsten Weiler erzählt in seinem Roman „Der Seidenweber“ von Gustav Puller, der diese Geschichte hautnah erlebt. Der Bäckersohn erlebt den Alltag der Weber und ihre vergeblichen Revolten gegen die mächtigen Seidenbarone, und gleichzeitig ist er fasziniert von der Seide, diesem magischen Stoff, dem er sein Leben widmen will. Auch Beate Marks-Hanßen hat sich mit Haut und Haar den Stoffen verschrieben: Sie lässt historische Mode wiederauferstehen, macht sie fühlbar und anschaulich. Basierend auf genauen Recherchen, vermittelt sie im Atelier „Purpurvilla“ das textile Lebensgefühl vergangener Zeiten.

 

Die Idee dieses ungewöhnlichen Abends: Weiler liest aus dem „Seidenweber“ und schildert die mal abenteuerlichen, mal rührenden Erlebnisse des Krefelder Seidenwebers Gustav vor fast 200 Jahren. Marks-Hanßen zeigt uns gleichzeitig in lebendigen Kostümen, wie die Frauen der damaligen Zeit gekleidet waren: Was trug eine Seidenweberin, was eine feine Dame der Krefelder Gesellschaft? Welche Stoffe, Schnitte und Accessoires waren angesagt, was ist eine Krinoline und wofür brauchte man damals ein Korsett? Hören, sehen und fühlen – der Abend verspricht einen kurzweiligen und interessanten Ausflug in eine Zeit, die fast vergessen und doch absolut spannend ist.

 

Das historische Klärwerk in Uerdingen

Das historische Klärwerk, einer der markanten Jugendstilbauten in Krefeld

 

Krefeld in der Belle Époque
Vortrag von Christoph Becker

 

In der Belle Époque erlebte Krefeld eine Phase besonderen Aufbruchs: Kunst, Kultur und das Seidenhandwerk standen im Zeichen des Jugendstils, zugleich verstand sich die Stadt wirtschaftlich als boomendes Zentrum am Niederrhein. Um 1900 entstanden in Krefeld prägende Infrastrukturbauten und öffentliche Einrichtungen – der neue Rheinhafen, die moderne Feuerwache, das Klärwerk, das Stadtbad und viele weitere markante Bauwerke. Christoph Becker vom Historischen Klärwerk ordnet diese Hochphase der Industrialisierung anhand der Baukultur und Infrastruktur der Samt- und Seidenstadt ein – und spannt dabei den Bogen bis zum heutigen Zustand der Stadt.

 

Gerhart Hauptmanns „Die Weber“
als Verfilmung von 1927

 

Präsentiert wird eine restaurierte Version einer Inszenierung des Dramas von Gerhart Hauptmann unter der Regie von Friedrich Zelnik. Der 96-minütige Film thematisiert den Aufstand schlesicher Weber, die durch die Mechanisierung der Webstühle und Hungerlöhne in den Ruin getrieben werden. Die Uraufführung des Filmes fand vor 99 Jahren in Berlin statt.
Als Einstimmung auf die Thematik erfolgt ein gemeinsamer Gang durch den noch original erhaltenen Jacquard-Websaal im Haus der Seidenkultur, zur Filmvorführung geht es anschließend in die „Alte Stickerei“, ebenfalls im Haus der Seidenkultur.

 

Seidengewebe

© Fotonachweis: Haus der Seidenkultur

 

Vortrag von Dr. Ulrike Denter
über die Entwicklung der Krefelder Seidenfärberei

 

Mit dem Zustrom mennonitischer Glaubensflüchtlinge ab Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in Krefeld das einst blühende Seidengewerbe. Nachdem im Jahre 1724 die Brüder von der Leyen eine erste Seidenfärberei gegründet hatten, folgten nach und nach zahlreiche weitere Betriebe. Färbereibesitzer siedelten ihre Unternehmen bevorzugt im Osten der Stadt an und konnten so das belastete Abwasser direkt aus den Fabriken in die Niederungen laufen lassen. Oft breiteten sich die anfallenden Wassermassen unkontrolliert in dem dünn besiedelten Bruchgelände aus. Mit zunehmender Industrialisierung kam es zu unübersehbaren Schäden in der Umwelt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Abwässer auf Druck der Bevölkerung über einen zentralen Abwasserkanal nach Uerdingen in den Rhein abgeleitet. Dieser Vortrag von Frau Dr. Ulrike Denter beleuchtet eindrucksvoll, wie wirtschaftlicher Aufschwung, unternehmerische Initiative und die ökologischen Folgen der Industrialisierung die Entwicklung Krefelds nachhaltig prägten.